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Gemeinde Dörfles-Esbach

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96487 Dörfles-Esbach

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Dienstag
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Abwasser

Allgemeine Hinweise zur Entwässerung von Grundstücken
 

Aufgrund des 2-maligen lang andauernden Starkregens am Mittwoch, 20.06.2012, sind wieder viele Keller voll gelaufen. Aus diesem Grund sehen wir die Notwendigkeit, alle Hauseigentümer auf die seit Jahrzehnten geltenden Vorschriften der Entwässerungssatzung und die in Deutschland allgemein gültigen einschlägigen technischen Bauvorschriften für die Entwässerung von Grundstücken hinzuweisen.

 

Keller und andere tief liegende Räume werden überflutet, weil manches Haus noch immer nicht genügend gegen Kanalrückstau gesichert ist.

 

Hierdurch entstehen dem Hauseigentümer oft sehr große Schäden. Dabei kann er sie vermeiden, wenn er sein Haus entsprechend den technischen Möglichkeiten und den geltenden Vorschriften gesichert hat und diese Rückstausicherungen auch warten lässt und funktionsfähig hält. Zudem ist er nach geltendem Recht für alle Schäden verantwortlich, die auf dem Fehlen dieser Sicherungen beruhen. Die entsprechenden Bestimmungen finden sich in der Entwässerungssatzung und in den Vorschriften "DIN 1986 - Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke".

 

Das Kanalnetz einer Gemeinde kann nicht darauf ausgerichtet werden, dass es jeden Starkregen oder Wolkenbruch sofort ableiten kann. Die Rohre der Kanalisation würden sonst so groß und so teuer werden, dass die Bürger, die sie ja über Abwassergebühren mit bezahlen müssen, unvertretbar belastet würden. Deshalb muss bei solchen starken Regen eine kurzzeitige Überlastung des Entwässerungsnetzes und damit ein Rückstau in die Grundstücksentwässerungsanlagen in Kauf genommen werden. Dabei kann das Wasser des Kanals aus den tiefer gelegenen Ablaufstellen (Gully, Waschbecken, Waschmaschinenabläufe, Bäder, WC-Anlagen etc.) austreten, falls diese Ablaufstellen nicht vorschriftsmäßig gesichert sind. Auch wenn es bisher noch niemals zu einem Rückstau kam, kann nicht darauf vertraut werden, dass ein solcher, etwa infolge einer unvorhersehbaren, kurzfristigen Kanalverstopfung, für alle Zukunft ausbleibt. So kann z. B. durch größere Fremdkörper, Rohrbruch, Ausfall eines Pumpwerkes oder ähnliches auch ohne Niederschläge ein Rückstau eintreten.

 

Die Grundstückeigentümer sind daher in eigener Verantwortung verpflichtet, alle tief liegenden Ablaufstellen, vor allem im Keller, mit Rückstauvorrichtungen zu versehen. Alle Räume oder Hofflächen unter der "Rückstauebene", die im Allgemeinen in Höhe der Straßenoberkante angenommen wird, müssen gesichert werden.

 

Warum kommt es zu einem Rückstau aus dem Kanalsystem?

 

Das öffentliche Kanalsystem ist, entsprechend den technischen Regelwerken, so ausgelegt, dass das Schmutz- und Niederschlagswasser im Regelfall problemlos gesammelt und den Vorflutern zugeführt werden kann.

 

Bei bestimmten Wetterlagen tritt jedoch die Situation ein, dass die anfallenden Niederschlagsmengen die Aufnahmekapazität der öffentlichen Entwässerungseinrichtungen übersteigt und das Wasser in die Kanalschächte zurück staut bzw. im Extremfall aus den Schachtbauwerken austritt und oberflächig abfließt.

 

Diese Betriebszustände sind grundsätzlich zulässig und werden durch die technischen Regelwerke und somit auch durch die darauf beruhende Rechtsprechung gedeckt.

 

Wie kommt es zu Überschwemmungen von Kellern und Grundstücken?

 

Weil sich das Abwasser innerhalb des miteinander verbundenen Systems aus öffentlichen und privaten Leitungen, nach dem physikalischen Gesetz der kommunizierenden Röhren, auf fast gleichem Niveau einstellt, werden auch die privaten Leitungen bis zur Rückstauebene (Oberkante der Straße) gefüllt. Bei fehlender oder defekter Rückstausicherung der privaten Entwässerungsleitungen tritt somit Schmutz- und/oder Niederschlagswasser aus dem Kanalnetz aus Bodeneinläufen, angeschlossenen Lichtschächten und Anschlüssen von Sanitäreinrichtungen, die unterhalb der Rückstauebene (bzw. des Wasserstandes innerhalb der kommunizierenden Röhre) liegen, aus (siehe Schaubild).

 

Um diese Situation auszuschließen, haben sowohl die gemeindliche Entwässerungssatzung als auch die technischen Regelwerke, die in der Baugenehmigung vorgegeben werden, den Schutz gegen Rückstau aus der gemeindlichen Kanalisation bzw. aus privaten Regenfallrohren auf den Bauherrn bzw. den Architekten und Fachinstallateur übertragen.

 

 

 

Die Satzung für die Entwässerungsanlage der Gemeinde Dörfles-Esbach (Entwässerungssatzung) führt dazu Folgendes aus:

 

In §  9 Abs. 5 heißt es:

"Gegen den Rückstau des Abwassers aus dem Abwassernetz hat sich jeder Anschlussnehmer selbst zu schützen."

 

In § 9 Abs. 1 heißt es:

"Jedes Grundstück, das an die öffentliche Entwässerungsanlage angeschlossen wird, ist vorher vom Grundstückseigentümer mit einer Grundstücksentwässerungsanlage zu versehen, die nach den anerkannten Regeln der Technik herzustellen, zu betreiben, zu unterhalten und zu ändern ist."

 

In  § 18 Abs. 1 heißt es:

"Die Gemeinde haftet unbeschadet Abs. 2 nicht für Schäden, die auf solchen Betriebsstörungen beruhen, die sich auch bei ordnungsgemäßer Planung, Ausführung und Unterhalt der Entwässerungseinrichtung nicht vermeiden lassen. Satz 1 gilt insbesondere auch für Schäden, die durch Rückstau hervorgerufen werden."

 

Die DIN 1986-100, "Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke", die von allen Architekten und Planern als anerkannte Regeln der Technik angewendet werden muss, macht folgende Vorgaben:

 

Hier heißt es in 5.2 Misch- und Trennsystem zu EN 12056-1:2001-01, 4.3 und DIN EN 752-3:1996-09, Abschnitt 6:

"Bei Mischsystemen sind Regen- und Schmutzwasser über getrennte Fall-, Sammel- oder Grundleitungen aus dem Gebäude heraus zu führen. Die Grund- bzw. Sammelleitungen dürfen erst außerhalb des Gebäudes zusammen geführt werden, möglichst nahe dem Anschlusskanal an der Grundstücksgrenze. In Ausnahmefällen, z.B. bei Grenzbebauung, ist eine Zusammenführung von Schmutz- und Regenwasserleitungen innerhalb des Gebäudes nur unmittelbar an der Gebäudegrenze zulässig."

 

In 7.4 Schutz gegen Rückstau zu DIN EN 12056-1:2002-01, 5.5 und DIN EN 12056-4:2001-01, Abschnitt 4, 7.41 Allgemeines heißt es:

"Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene sind durch automatisch arbeitende Abwasserhebeanlagen mit Rückstauschleife nach DIN EN 12056-4 oder unter bestimmten Voraussetzungen durch Rückstauverschlüsse nach DIN 1997 oder DIN 19578 bzw. E DIN EN 13564-1 gegen Rückstau aus dem Kanal zu sichern.

 

Die DIN 1986 wurde mit vergleichbaren inhaltlichen Aussagen erstmals 1932 veröffentlicht!

 

Auswirkungen:

 

Neben erheblichen materiellen und immateriellen Schäden des Grundeigentümers kann es durch Rückstau aus der gemeindlichen Kanalisation auch zu Schäden Dritter kommen. Als Hausbesitzer besteht auch eine Haftpflicht gegenüber Dritten (z.B. Mietern).

 

Die entsprechenden Versicherungen reduzieren Versicherungsleistungen bzw. lehnen eine Schadensregulierung ganz ab, wenn die Herstellung und der Betrieb der Grundstücksentwässerung nicht den einschlägigen Vorschriften und Regeln der Technik entspricht.

 

Wie sichern Sie sich gegen Rückstau ?

 

1.            Wohnräume im Kellergeschoss (unterhalb der Rückstauebene) sind mit einer Hebeanlage zu entwässern. Bei Kellerräumen mit untergeordneter Nutzung ist eine Rückstausicherung zulässig.

 

2.            Selbstständig schließende Rückstausicherungen und Hebeanlagen müssen unbedingt regelmäßig gewartet werden.

 

3.            Einzelne Bodeneinläufe ohne Sicherung sind gegen solche mit Rückstausicherung auszutauschen. Wenn Abläufe nicht benötigt werden, sollten sie ausgebaut und mit Beton verschlossen werden.

 

4.            In Kellerabgängen sollten die Bodenabläufe eine Rückstausicherung erhalten und zusätzlich sollte eine Erhöhung der Türschwellen zum Kellereingang vorgenommen werden.

 

5.            Lichtschächte entwässern üblicherweise unproblematisch über eine Öffnung in den Untergrund. Bei hohen Grundwasserständen werden Lichtschächte häufig vorsorglich an die Grundstücksentwässerung angeschlossen. In diesem Sonderfall sollten die Lichtschächte neben der Rückstausicherung durch einen erhöhten Randstein vor Zufluss von Oberflächenwasser geschützt werden und eventuell, je nach örtlichen Verhältnissen, zusätzlich eine Schwelle zum Kellerfenster erhalten.

 

6.            Waschmaschinen, Kühltruhen und Heizungsanlagen sollten auf einen mindestens 15 bis 20 cm hohen Betonsockel gestellt werden.

 

7.            Dachrinnenabläufe sollten immer in Abflussrichtung nach der Rückstausicherung in Hausentwässerungsleitungen eingeleitet werden. Noch besser ist es, das Niederschlagswasser auf dem eigenen Grundstück zu versickern bzw. Zisternen zur Regenwassernutzung herzustellen.

 

8.            Wenn Abflussprobleme der Grundstücksentwässerung auftreten, liegt der Grund auch häufig an schadhaften oder verwurzelten Kanälen. Große Bäume über der Hausanschlussleitung sind oft die Ursache für Rückstau.

 

9.            Unzulässige Ringdränagen, die unterhalb des Grundwasserspiegels liegen, sind von der Kanalisation abzuklemmen.

 

Den Grundstückseigentümern wird dringend empfohlen, ihre Hausentwässerungsanlagen auf die seit Jahrzehnten geltenden fachtechnischen Vorschriften und rechtlichen Vorgaben hin zu überprüfen und nachzurüsten, denn es ist aufgrund der weltweiten Klimaveränderungen zu erwarten, dass die Häufigkeit heftiger Regenereignisse künftig zunehmen wird.

 

Gemeinde Dörfles-Esbach

Döhler, 1. Bürgermeister


Rückstauhandbuch